…aller Zeiten…
Eigentlich wollte ich diesen Post mit Das teuerste Kasperltheater der Welt übertiteln, aber momentan ist der Terminus aller Zeiten en vogue. Alles ist ...aller Zeiten... – das Beste aller Zeiten, das Größte aller Zeiten, das Schnellste, Schönste, Hässlichste, Billigste, Grünste, Dümmste, Schaumigste … aller Zeiten…
Als ob wir etwas von allen Zeiten wüßten, aber es toppt (autsch) ...der Welt…, weil es dies quasi impliziert. Steht es auch über …der Galaxie…, …dem Universum… gar, allen denkbar möglichen Paralleluniversen, vor und nach dem Urknall? Womit kann man …aller Zeiten… noch übertreffen?
Kasperle und der Himmelsblick
In der ZiB 1 vom 10.11.2015 ist von Kosten für den Umbau bzw. die Sanierung des Parlaments von EUR 353 Mio. die Rede. Die Ausschreibungsfrist läuft aber erst mit 23. Dezember (2015) ab, sodaß hier noch ein schönes Christkindl möglich ist.
Vor 3 Jahren wurde laut “Die Presse” (am 29. Nov. 2012) von EUR 500 Mio. gesprochen. In dem Artikel ist in einer Rückschau zu lesen, daß für eine Sanierung im Sommer 2008 ursprünglich EUR 17 Mio. geschätzt worden waren. Nur für den Plenarsaal wohlgemerkt. Mit Ende 2009 war Stand der Dinge, daß das gesamte Parlament saniert werden müsse, die Kosten mit EUR 311 Mio. geschätzt. Geeinigt hatte man sich damals, “10 Mio. mehr oder weniger spielten keine Rolle” auf EUR 260 Mio. bis 300 Mio.
Der Rechnungshof ging schon damals von Kosten von mehr als EUR 500 Mio. aus, von der Parlamentsdirektion bestätigt. Den ganzen Artikel bitte selbst nachzulesen…
Wieder “Die Presse” berichtet in einem Artikel vom 21.11.2013 von sechs Umbauvarianten mit Kosten bis zu EUR 480 Mio. Andere Blätter nennen ähnliche Zahlen…
Wir reisen ein Jahr weiter. Die online Ausgabe des ORF berichtet am 23.10.2014 von EUR 352,2 Mio. (mit einem Spielraum von 20%). Dafür gäbe es auch ein Glasdach, welches den Himmelsblick ermögliche. Wir kenne diese sehr wertvolle Blickvariante unter dem Begriff “Augen verdrehen”, zumeist einhergehend mit einem mehr oder weniger laut gehauchtem (sinngemäßen) “Oh mein Gott”…
Wer noch andere Zahlen mit ins Spiel bringen möchte, der google.
Auch wenn man nicht ein AKH II unterstellt, werden die Kosten, wie alle wissen, die einmal baulich tätig waren, ganz gewiss jeden gesetzlichen Spielraum nach oben hin ausnutzen, womit man von gut EUR (353 +20%) 423 Mio. ausgehen kann. Selbst wenn diese “Grundzahl” eingehalten werden wird, werden es schnell EUR 507 Mio. werden (selbstverständlich war die Umsatzsteuer nicht mit eingerechnet, wo kämen wir da hin?). Die Kosten für die zeitweilige Übersiedlung des Parlaments in die Hofburg wird dann plötzlich auch nicht mehr inkludiert gewesen sein, überdies gab es aus diesem oder jenen Grund Bauverzögerungen da wie dort, der Faktor “Unvorhergesehenes” war ebenfalls nicht zu berechnen gewesen. Und dennoch wurde gespart, die Bauarbeiter bekamen keine Gurkerl in die Wurstsemmeln! Verschwiegen wird hierbei allerdings, daß die vorwiegend muslimische Arbeiterschaft die teurere Putenextra verlangt, ein Nullsummenspiel also…
Wenn das sanierte Parlament dann im Jahre 2025+ wieder in Betrieb gehen wird, wird hoffentlich daran gedacht worden sein, auch die Räumlichkeiten für den Untersuchungsausschuß, der sich weitere 10 Jahre später mit der Kostenexplosion auf über EUR 1 Mrd. beschäftigen wird, mit Blick zum Himmel auszustatten. Ist doch nichts wirksamer, als eine unbequeme Frage mit der Antwort “ich entschlage mich” mit dem Himmeslblick zu unterstreichen.
Übrigens ist die Neubemalung der Kasperlefiguren aus gut unterrichteten Kreisen in den geschätzten Kosten noch nicht enthalten.